Geblitzt mit TraffiPhot-S? So prüfen Sie die Piezo-Messung
Traffipax (Robot) · Geschwindigkeit (stationär, Piezo-Drucksensoren)
Der TraffiPhot-S von Traffipax ist ein stationäres Geschwindigkeitsmessgerät, das über drei in die Fahrbahn eingelassene Piezo-Kabel misst. Anders als der TraffiPhot III, der Ampeln über Induktionsschleifen überwacht, geht es hier um die reine Geschwindigkeitsmessung nach dem Weg-Zeit-Verfahren. Das von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt unter dem Zulassungszeichen 18.11/90.229 zugelassene Gerät dient der stationären Messung auf einer Fahrspur. Wer damit gemessen wurde, sollte wissen, dass gerade der mechanische Zustand und die Lage der Sensoren angreifbar sind.
Wie misst das Gerät?
Drei Piezo-Kabel werden in einem Abstand von jeweils 1 m rechtwinklig zum Fahrbahnverlauf in die Fahrbahndecke verlegt. Überfahren die Reifen die Kabel, lösen sie Spannungsimpulse aus. Daraus werden drei Zeitmessungen gewonnen – zwischen Kabel 1 und 2, zwischen Kabel 2 und 3 sowie zwischen Kabel 1 und 3 – und nach der Gleichung Geschwindigkeit gleich Weg durch Zeit drei Geschwindigkeiten berechnet. Diese werden geräteintern verglichen; weichen sie um mehr als plus/minus 1 km/h voneinander ab, wird die Messung verworfen. Bei Übereinstimmung wird der geringste der drei Werte übernommen. Das Beweisfoto wird etwa 15 bis 20 ms nach Überfahren des dritten Kabels ausgelöst.
Was bedeutet standardisiertes Messverfahren?
Der TraffiPhot-S ist eine anerkannte, von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zugelassene Bauart und wird als standardisiertes Messverfahren behandelt. Bei geeichtem Gerät und regelkonformem Betrieb darf das Gericht den Messwert grundsätzlich übernehmen. Das entbindet aber nicht davon, konkreten Anhaltspunkten für einen Fehler nachzugehen.
Die gerätetypischen Angriffspunkte
Fehlmessungen sind bei diesem Verfahren nicht so selten, wie früher angenommen wurde; deshalb sind an den mechanischen Zustand der Piezo-Kabel strenge Anforderungen zu stellen. Fehlerquellen ergeben sich etwa, wenn Winterdienste mit Schneepflügen die Sensoren belasten oder beschädigen, oder wenn Radlastschwankungen Schwingungen und dadurch Fehlsignale auslösen. Werden die Messkabel nicht rechtwinklig, sondern schräg überfahren – etwa bei einem beginnenden Überholvorgang –, wird allerdings eine geringere als die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit angezeigt. Weil das Foto erst nach der Messwertbildung ausgelöst wird, lässt sich anhand der Fotoposition die Größenordnung des Messwerts zusätzlich kontrollieren (vgl. AG Meißen, Urt. v. 14.10.2009 – 13 OWi 705 Js 30975/09).
Toleranzabzug
Es gilt der gesicherte Toleranzabzug: 3 km/h bei Messwerten unter 100 km/h, 3 Prozent ab 100 km/h. Maßgeblich für den Bescheid ist der bereits toleranzbereinigte Wert. In Grenzwertnähe – knapp über einem Fahrverbot oder an einer Punktegrenze – lohnt die genaue Kontrolle besonders.
Was bringt die Akteneinsicht?
Erst mit Messprotokoll, Eichschein, Foto und den Angaben zu Lage und Zustand der Sensoren lässt sich beurteilen, ob die Messwertbildung nachvollziehbar und die Zuordnung eindeutig ist. Der Anspruch der Verteidigung auf Zugang zu den Informationen über die Messung ist verfassungsrechtlich abgesichert (BVerfG, Beschl. v. 12.11.2020 – 2 BvR 1616/18, und v. 28.4.2021 – 2 BvR 1451/18). Wir beantragen die vollständigen Messunterlagen einschließlich der Falldatei.
Häufige Fragen – TraffiPhot-S
Ist der TraffiPhot-S dasselbe wie der TraffiPhot III?
Nein. Der TraffiPhot-S misst stationär die Geschwindigkeit über Piezo-Kabel im Weg-Zeit-Verfahren. Der TraffiPhot III überwacht dagegen Ampeln und Geschwindigkeiten über Induktionsschleifen. Die Prüfansätze unterscheiden sich entsprechend.
Kann der Zustand der Sensoren die Messung beeinflussen?
Ja. An den mechanischen Zustand der Piezo-Kabel sind strenge Anforderungen zu stellen. Beschädigungen, etwa durch Winterdienste, oder Radlastschwankungen können zu Fehlmessungen führen. Das gehört zu den ersten Prüfpunkten.
Lohnt sich der Einspruch?
Bei drohendem Fahrverbot oder hoher Geldbuße ist eine Prüfung regelmäßig sinnvoll. Ob Ansatzpunkte bestehen, zeigt sich erst nach Einsicht in die Messunterlagen und das Foto.
Weitere Messgeräte
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