Riegl FG21-P – Laser-Handmessung und ihre Schwachstellen
Riegl · Geschwindigkeit (Laser-Handmessung)
Der Riegl FG21-P ist ein von Hand geführtes Lasermessgerät. Ein Beamter visiert das Fahrzeug an und löst die Messung aus. Weil hier der Mensch im Messvorgang steht, sind Bedienung und Anvisierung die häufigsten Angriffspunkte.
Wie das Gerät misst
Das FG21-P sendet einen gebündelten Laserstrahl aus und ermittelt die Geschwindigkeit aus der Laufzeit der reflektierten Impulse über eine kurze Messstrecke. Der Beamte muss das Zielfahrzeug präzise anvisieren und ruhig halten. Anders als bei fest installierten Anlagen hängt das Ergebnis unmittelbar von der Handhabung im Einsatz ab.
Bedeutung des standardisierten Messverfahrens
Laser-Handmessungen werden von der Rechtsprechung grundsätzlich als standardisiertes Messverfahren behandelt. Das Gericht muss die Messung also nicht ungefragt in jedem Detail nachprüfen. Trägt die Verteidigung aber konkrete Anhaltspunkte für einen Bedien- oder Anvisierungsfehler vor, ist dem nachzugehen. Die Einordnung als standardisiert nimmt der Messung nicht ihre Prüfbarkeit.
Gerätetypische Angriffspunkte
Zu prüfen sind insbesondere die korrekte Anvisierung (Verwechslungs- und Zuordnungsrisiko bei mehreren Fahrzeugen, mögliche Fehlanzeigen), die Einhaltung der Vorgaben aus der Gebrauchsanweisung, das ordnungsgemäß dokumentierte Test- bzw. Justageprotokoll vor Messbeginn, die Schulung des Bedieners sowie eine gültige Eichung. Fehlt eine wirksame Eichung, kann ein Verwendungsverbot in Betracht kommen.
Toleranzabzug
Vom gemessenen Wert ist der gesicherte Toleranzabzug vorzunehmen: 3 km/h bei Messwerten unter 100 km/h, 3 Prozent ab 100 km/h. In Grenzwertnähe – etwa knapp über der Fahrverbotsschwelle – kann bereits die korrekte Toleranzbetrachtung über die Rechtsfolge entscheiden.
Was Akteneinsicht bringt
Erst mit den Messunterlagen lässt sich die Bedienung nachvollziehen: Messprotokoll, Eichschein, Schulungsnachweis und Gebrauchsanweisung zeigen, ob die Vorgaben eingehalten wurden. Ohne diese Unterlagen bleibt ein Fehlervortrag zwangsläufig pauschal. Deshalb steht die vollständige Akteneinsicht am Anfang.
Häufige Fragen – Riegl FG21-P
Ist eine Laser-Handmessung besonders fehleranfällig?
Sie ist stärker von der Bedienung abhängig als eine fest installierte Anlage, weil ein Mensch anvisiert und auslöst. Das begründet keinen Automatikvorwurf, eröffnet aber gerade bei der Anvisierung und der Zuordnung Prüfansätze. Ob im konkreten Fall ein Fehler vorliegt, zeigt erst die Akteneinsicht.
Kann das Gerät das falsche Fahrzeug erfasst haben?
Bei dichtem Verkehr oder mehreren Fahrzeugen im Zielbereich ist eine Fehlzuordnung nicht ausgeschlossen. Ob die Messung eindeutig Ihrem Fahrzeug zuzuordnen ist, gehört zu den ersten Prüfpunkten. Grundlage dafür sind das Messfoto und das Protokoll.
Wie schnell muss ich reagieren?
Der Einspruch gegen den Bußgeldbescheid ist innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung einzulegen. Die Akteneinsicht wird anschließend beantragt. Wird die Frist versäumt, wird der Bescheid bestandskräftig.
Weitere Messgeräte
- Messgeräte – Übersicht → Standardisiertes Messverfahren, Rohmessdaten, typische Fehlerquellen.
- PoliScan Speed bzw. PoliScan FM1 → Vitronic · Geschwindigkeit (stationär und mobil, Lasermessung/LIDAR)
- TraffiStar S350 → Jenoptik · Geschwindigkeit (stationär und semistationär, Lasermessung)
- ES 3.0 → eso GmbH · Geschwindigkeit (mobil und stationär, Einseitensensor)
- ES 8.0 → eso GmbH · Geschwindigkeit (mobil und stationär, Einseitensensor)
- Leivtec XV3 → Leivtec · Geschwindigkeit (mobil, Lasermessung)
- LTI 20/20 TruSpeed → Laser Technology Inc. (LTI) · Geschwindigkeit (mobil, Laser-Handmessgerät)
- ProViDa 2000 → ProViDa-System · Geschwindigkeit (Nachfahr-/Video), Abstand eingeschränkt zulassungsgedeckt
- Multanova MU VR 6F → Multanova · Geschwindigkeit (Radarmessung)
- TraffiStar S330 → Jenoptik · Geschwindigkeit (stationäre Radarmessung)
- VKS 3.0 → Vidit · Abstand und Geschwindigkeit (Videomessung von der Brücke)
- TraffiPhot III → Robot (TraffiPhot) · Rotlicht und Geschwindigkeit (Induktionsschleifen)
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